Die Ente

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Das folgende Gedicht entstand noch zu Bannthai-Zeiten, und da es keinen Platz in unserem Buch fand, steht es nun hier:

Die Ente

Fest gebrannt am Küchenherde
liegt die Ent´ flach bäuchlings schwer
heute noch da muss sie werden
denn der Gast hat Hunger sehr

Hat sich schon zweimal beschweret
wo denn seine Ente bleibt
sich am Gedanken halb verzehret
und sich im Geiste einverleibt

Währenddessen fliegen Teller
Rennt der Koch im Schweisse nass
Maria schreit: lauf in den Keller
schon wieder leer das Weizenfass

Der Bruno schütt in rundem Schwalle
Wein einer Frau aufs Abendkleid
Die Quiekt vor Schreck wie eine Qualle
Man hofft dass sie nicht lange schreit

Gabelrasseln, Zähnemahlen
schon bald ist jedermann am Essen
Doch nur der eine Gast in Qualen
Schreit laut auf: habt ihr mich vergessen?

Die Fäuste werden Drohgebärden
Gen Küch gerichtet grollt die Wut
wohlan Ihr Thais jetzt soll sie werden
Andernfalls fließt heute Blut

Zwanzig Finger flink wie Blitze
ordnen die Ente und Gemüs
Den Gast zerreissts schon fast im Sitze
Rebekka bringts auf schnellen Füs‘

Und mit dem ersten tiefen Bissen
wird sein Gesicht gar selig doch
belegt des Wirts geheimstes Wissen:
Hunger ist der beste Koch

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